Soulfood | Alice im Shishaland

Sonntag, Mai 14, 2017

Ja, ich hab es getan. Ja, ich hab mich so ein bisschen wie Johnny Knoxville gefühlt und verdammt ja, ich hab eine knappe Stunde ausgehalten.
Schließlich musste ich mir ja selbst ein Bild des Phänomens Shisha machen.
Ich wollte wissen was junge Menschen dazu treibt kollektiv an einem Schlauch zu nuckeln.
Ich wollte wissen was Frauen veranlasst diesem Spektakel gelassen zuzuschauen.


Freitag Abend, mein crosskultureller Freund und ich, wagen den Schritt durch die Tür. Vorher noch nervös die böse Zigarette wegschnippen und zack geht es los.
Vernebelt ist es und ich entschuldige mich jetzt schon bei meinen Ohren für diese schlechte Musikauswahl. 0815 Rap von 187 und diversen anderen Sprachvergewaltigern. Geschmack, ja das ist so 'ne Sache aber wir sind ja auch in einer Shisha-Bar und nicht im Edel-Restaurant um die Ecke.
Beim Umschauen fühle ich mich tatsächlich so ein bisschen wie Alice im Wunderland. Meine Sinne sind etwas betäubt denn ich sehe überall tatsächlich nur Absolems. 
Kräftige, muskulöse Ehrenlöwen, die verträumt an Shishaschläuchen nuckeln und sich im Himbeerduft aalen. Irgendwie niedlich. Irgendwie möchte ich ihnen die Brust geben. Der Gedanke zerstört sich aber von selbst als ich mich umschaue und auch noch Frauen dazwischen sitzen sehe. Es sind junge Mädchen, die sich für ein bisschen Schall und Rauch hübsch gemacht haben und lasziv mit dem Schlauch spielen. Ach so, man muss daran nicht nuckeln? Es bildet sich eine Armada von Skinny Jeans, Vollbärten, engen Shirts mit tiefen Ausschnitten und ich ziehe instinktiv meinen etwas weiter runter um mich daran zu erinnern, dass ich doch mehr Brust zeigen sollte als die Herren und weniger Legday damit ich auch in so kleinen Hosen passe.
Mein Freund ist mittlerweile still und ich nutze die Gunst der Stunde um vielleicht paar Gesprächsfetzen, wenn nicht gerade irgendein Haftbefehl stammelt, mitzubekommen. 
Nach 2 Minuten sehne ich mich doch wieder nach der fürchterlichen Musik denn ich habe nix verstanden und es lag nicht an der Akkustik.
Mir wird klar, dass der durchschnittliche IQ dieser Bar nahezu Raumtemperatur beträgt und ich kalkuliere unseren hinzu.
Ich entschuldige mich und stürme auf die Toilette um paar Sekunden Ruhe zu haben aber da höre ich zwei Azzlacks mit weiblicher Stimme reden.
Flucht ergriffen und wieder zurück am Platz stelle ich fest, dass die Menschen an den Tischen kaum Konversation betreiben. Scheint das Nuckeln nicht nur die natürlichen Bedürfnisse der Beruhigung eines Babys zu stillen sondern auch vor gezwungener Konversation zu schützen?
Ist das der Grund weshalb diese Generation auch nicht mehr in der Lage ist, einen Satz vollständig mit Subjektiv, Prädikat und Objekt zu bilden?
Verschachtelungen lassen wir mal weg.
Keine Überforderungen hier.
Ich bin kein Freund des Schubladendenkens da ich selber in diverse eingeordnet werde obwohl ich eher PAX bin aber das Klischee wurde tatsächlich bestätigt. 
Nicht in Form der Auswahl einer Shisha, dessen Priorität der Genuss und die Entspannung sein soll, sondern der Verhaltensweise dieser Generation.
Also flohen wir aus dem Land der Shisha-Raupen hinaus in die dunkle Realität und legten die Hoffnung in die Metamorphose:
Denn aus Raupen entstehen in der Regel wunderschöne Schmetterlinge.


Epilog
Nach so vielen Vallah Bruda, auf deinen Nacken und Augengeknutsche (stehen da die Japaner nicht drauf? Eyeball-licking!)musste ich tatsächlich zu Herders "Abhandlung über den Ursprung der Sprache" greifen und grübelte über meine geplante Zeitreisemaschine.

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