Soul Food | Wie viele Sklaven arbeiten für dich?

Sonntag, Mai 22, 2016

Für mich arbeiten 70 Sklaven.
Weltweit!
Ich besitze keine Plantage, kein eigenes Land, keinen Betrieb oder Sonstiges.
Ich lebe in Hannover, wohne in einer Wohnung, esse kein Fleisch und lebe mein Leben genauso wie der Durschnitts-Deutsche.
Dennoch "arbeiten" für mein Durchschnittsleben 70 Sklaven incl. Kinder weltweit unter menschenverachtenden und menschenunwürdigen Bedingungen.

Woher ich das weiß?
rechnet anhand Lebens- und Konsumgewohnheiten aus wie viele Menschen an unserem Lebensstil beteiligt sind.



Erschrocken war ich nicht wirklich da mir bewusst war, dass hochpreisige Hersteller *hust* Designer *hust* und Discounterketten im gleichen Lager in Indonesien sitzen und sich lediglich in der Auswahl der Stoffe unterscheiden.
1 Cent Rohstoff sieht bei hochpreisigen Herstellern doof aus, 5 Cent Rohmaterial sollte es dann schon sein.

Dennoch war ich überrascht über die Menge: 70! Für mich?!
Hell no!

madeinafreeworld.com setzt sich für die Bekämpfung der Mißstände und der Versklavung weltweit ein.
Die Seite listet Unternehmen, die cleane Supply-Chains haben und bietet Petitionen an um Firmen, die kostenoptimierend (menschenverachtende Arbeitsbedingungen) "produzieren", auf ihre schmutzige Weste hinzuweisen.

Damit man sich ein Bild machen kann, wieviele Sklaven jeder von uns auf dem Gewissen hat, schaut euch folgende Auflistungen mal an.

Der Sklavenverbrauch eines Hipsters.

Ja, der coole Hipster hat mal schnell 27, die ihm seinen coolen Lifestyle beschaffen.
Wieso eigentlich weniger als ich? 
Ach ja, Hipster haben coole Bikes und keine Autos.


https://madeinafreeworld.com

Der Naturbursche, der gegen Tourismus und für den Umweltschutz ist.
Eins mit der Natur bedeutet 78,4 Sklaven für ihn.
Gottseidank schneidet er schlechter ab als ich.


https://madeinafreeworld.com

Die Latte Machiato Muddis toppen sogar mich.
Beruhigend!

Ihr seht das unsere alltäglichen Dinge für andere Menschen Leid bedeuten.

Ghana verkauft kleine Kinde als billige Arbeitskräfte in die Volta Region, 3-jährige Inder schürfen Glitzer für unsere tollen Highlighter und jedes 3. Opfer eines Menschenhandels ist ein Kind.

Laut Global Slavery Index befanden sich 2014 35,8 Millionen Menschen in sklavenähnlichen Bedingungen.
Ich glaube nicht, dass sich das 2015 verringert hat, im Gegenteil.


http://www.bworldonline.com

Bittersüße Schokolade

Ich erinnere mich an eine Ethik-Vorlesung, die ich vor 2 Jahren hatte.
Es war Weihnachtszeit und die Schokolade, die wir verteilten, war bittersüß nachdem wir einen Bericht gesehen hatten wie Kinder an der Elfenbeinküste auf Kakaoplantagen für unsere Schokolade schuften, nein knechten müssen.
Sie werden geschlagen, sie verdienen kein Geld.
Die Kakaobauern bekommen für 
1KG Kakao (40 Tafeln leckere Schokolade, die jeder von uns konsumiert) = 1€
die Exporteure verlangen für das 
KG = 2,50€ 
und wir kaufen im Laden eine Tafel (ca 87 Gramm, davon ca 25-30 Gramm Kakao) für 1,99€.
Ein Kind kostet laut Plantagenbesitzer umgerechnet ca 230€.
Man braucht kein Mathegenie zu sein um den Fehler in dieser Gleichung zu bemerken.
Ich schob meine Schokolade weg und noch heute habe ich keinen Appetit mehr auf Schokolade.

Dennoch taten sich Fragen auf:
Was wenn die Nachfrage gegen 0 läuft?
Wenn so gut wie Niemand mehr in Discountern einkauft, Keiner mehr Fast Food isst, Jeder nur noch Grün und Fairtrade konsumiert?
Was passiert mit den Sklaven?
Was passiert mit den Firmen, die sich nicht an cleane Lieferketten und Fairtrade halten?
Werden weiterhin vermehrt diverse grüne Siegel *hust Fast Food Ketten* gefälscht?

Where is your Park?

Das Unternehmen skrupellos sind, ist nix Neues aber das Prominente, die sich öffentlich für Missstände einsetzen, mitziehen, ist mehr als enttäuschend.
Jüngstes Beispiel ist die Bienenkönigin Beyoncé.
Während sie im sexy Body "Where is your Park" haucht um ihre Sportlinie zu vermarkten und von der Unterdrückung der afroamerikanischen Frau singt, verdienen die Näherinnen ihrer Ivy Park Klotten ganze 55 Cent die Stunde.

5,50 Euro am Tag!
In Sri Lanka fällt das zwar noch über den Mindestlohn von 81 Euro im Monat aber wenn man überlegt, das so'n läppisches Tank Top knapp 20 Euro kostet, dann findet man auch keine Worte mehr.
Zumal ich die Teile auch noch hässlich finde.
Lieblos designed...Ich erkenne Zusammenhänge zu Lemonade.
Bitter, das Ganze.


Was können wir tun?

Müssen wir auf Fairtrade Produkte achten?
Sollten wir Discounter boykottieren?
Heißt Fairtrade auch Fairtrade die komplette Lieferkette durch?
Festhalten an Nachhaltigkeit?

Da werde ich euch meine 5 Cents Senf noch auf einem Silbertablett reichen.

Ich würde gerne eure Meinung zu dem Thema wissen!
Habt ihr auch den Test gemacht? (http://slaveryfootprint.org)

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25 Kommentare

  1. Okay das ist mehr als niederschmetternd diese Fragen zu beantworten und dann eine Zahl zu sehen mit der man nicht gerechnet hat :(
    Liebe Grüße
    Kerstin
    BOERJAR - Lifestyle & Photography

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  2. Danke für diesen tollen Beitrag!
    Ich hab sofort auf die Seite geklickt und den Test gemacht.
    Zum Glück war die Zahl nicht so hoch mit den 36.
    Aber bevor ich diesen Post gelesen hatte, wusste ich garnicht, dass die Zahl so hoch werden kann. Echt traurig. :(

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    1. Ja sei froh, ich hab mich echt mies gefühlt..obwohl jede zahl ab 0 ist fürchterlich :(

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  3. Den Test werde ich auch noch machen, befürchte aber schon, dass das Ergebnis nicht gut ausfallen wird :(
    Viele Grüße

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  4. Hallo,

    FAIRTRADE, Bio und Nachhaltigkeit sind Ansätze bzw. erste Schritte, um die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Viel wichtiger in meinen Augen ist ein bewusster Konsum und die ständige Reflexion des eigenen Tun und Handelns. "Weniger ist mehr" ist meine persönliche Prämisse und die stellt sich mit einem nachhaltigen Lebensstil meist von selbst ein.

    Bei FAIRTRADE wir die gesamte Lieferkette eingehalten, denn nur dann wird das Zertifikat vergeben. Aber FAIRTRADE ist nicht immer bio, obwohl 75% der Produkte auch ein Biosiegel tragen. Nicht zu vergessen, dass es Produzenten gibt, die sich die Zertifizierungen nicht leisten können, obwohl sie bio und/oder fair produzieren. Man muss oft zwei Mal hinschauen und es ist notwendig, sich zu informieren. Das ist viel Arbeit und vielen Menschen dann doch zu aufwändig und mühsam. Mit meinem Blog www.ichmachesanders.com versuche ich, den Menschen diese "Arbeit" abzunehmen und Informationen für einen nachhaltigen Lebensstil leichter zugänglich zu machen. Klappt bis jetzt ganz gut :D

    LG Sabrina

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    1. Danke :) da werde ich gleich mal vorbeischauen

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  5. Wow krass.. finde es eh sehr schwierig zu wissen was wie woher kommt.. muss gleich mal auf die website surfen.

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  6. ok erst mal ein rießen lob für deine außergewöhnlichen beiträge. ich liebe deinen tinder post und dieser beitrag...
    irgendwie schon schlimm
    ich muss auch gleich mal auf die seite gehen

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  7. Wenn man erstmal die Scheuklappen abnimmt und für sich selber denkt, dann ist die Welt echt grausam. Früher habe ich immer gedacht, dass ich eh nichts ändern kann und alle anderen machen das ja auch, deswegen wird das wohl okay sein..
    Mittlerweile denke ich, dass man selber die Veränderung sein muss, die man sehen möchte, sonst passiert nichts.
    Toller Beitrag und schön, dass du dich dafür interessiert :) Liebe Grüße♥

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    1. das stimmt..wir sind alle ein Teil des Ganzen und wenn mehrere Teile sich ändern, so nimmt das Einfluss auf das Ganze <3

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  8. Genau zu diesem Thema wollte ich auch einen Artikel erstellen; schön, dass du es geschrieben hast. Ich las auf "jetzt.de" den Artikel mit Evi Hartmann »Jeder von uns hält 60 Sklaven« (URL: http://www.jetzt.de/politik/interview-mit-einer-professorin-fuer-supply-management)...

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  9. Ich hab das vor ein paar Tagen auch einmal ausprobiert und habe mich ebenfalls unglaublich erschrocken was dabei raus kam. Besonders weil ich finde, dass ich noch wirklich bewusst lebe und immer darauf achte wo was und wie es hergestellt worden ist. Besonders bei Lebensmitteln.
    Das schlimme ist, dass es den meisten Fair Trade bauern auch nicht viel besser geht als den anderen, weil sie genau vorgeschrieben bekommen, welche Samen etc. sie zu verwenden haben und diese meist deutlich teurer sind, als die landesüblichen...
    Spannendes Thema, vielen lieben Dank fürs anregen !

    Liebe Grüße Bea
    www.pinkrooms.de

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  10. Super Post, der auch zum Nachdenken anregt.
    Ich habe mich die letzten Tage schon damit beschäftigt und auch in meinem Freundeskreis gab es heiße Diskussionen dazu.
    Es ist echt traurig wie die Welt im Moment funktioniert und man sollte etwas dafür machen, dass es besser wird.
    Ich habe mir vorgenommen für die Umwelt zu spenden, sobald ich mit meinem Job angefangen habe :)
    Auch möchte ich mich dann bewusster ernähren.
    Jetzt werde ich gleich mal den Test machen ;)

    LootieLoos Plastic world

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    1. danke <3 was ich sehr interessant finde ist einfach vielmehr das Thema Second Hand und upcycling...wir sind so an den Konsum gebunden, dass wir immer mehr zur Wegwerfgesellschaft gehören :(

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  11. Wow. Ein unglaublich interessanter Post. Mir war natürlich auch bewusst, dass für mein Konsumverhalten viele Menschen in anderen Ländern leiden müssen, aber diese Zahl nochmal vor sich zu sehen ist wirklich erschreckend. Ich finde es auch gut, dass du ansprichst, dass Discountershops und Designershops unter gleichen Bedingungen produzieren. Vielen ist das einfach nicht bewusst.
    Ich werde in Zukunft noch viel über das Thema nachdenken und versuchen meinen Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten.
    Liebe Grüße, Jessy ♥

    http://www.international-blonde.blogspot.com

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  12. Lovely post hun! I like this so much.

    JENNEROUTFITS.COM a blog dedicated to kendall and kylie jenner’s best outfits.

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  13. Great post!!!!
    Would you like to follow each other? let me know and I follow you back.
    Besos, desde España, Marcela♥

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